Anspruchund Wirklichkeit von Eltern, die sich gemeinsam um Beruf und Familiekümmern wollen, klaffen in Deutschland noch weit auseinander. Bisherlag der politische Fokus ausschließlich auf zusammenlebenden Familien, um Müttern bessere Chancen im Beruf und Vätern mehr Zeit in der Familie zu ermöglichen. Nach einer Trennung erfolgte aufgrund der bestehenden gesetzlichen Regelungen jedoch in der Regel eine „Rolle rückwärts“ in das überholte Rollenverständnis der 50erJahre des vorigen Jahrhunderts nach dem Motto „einer betreut, einerzahlt“. Dies soll sich nun ändern.


BundesfamilienministerinDr. Katarina Barley brachte es im Rahmen der Veranstaltung auf den Punkt: „Moderne Familien wünschen sich Partnerschaftlichkeit. Auch getrennte Eltern.“ Hierzu sollen nun die politischen und rechtlichen Weichenstellungen getroffen werden. Die Sprecherin des Bündnisses doppelresidenz.org, Cornelia Spachtholz, ergänzte dazu: „Partnerschaftlichkeit sollte in Familien Anspruch und Ziel von Anfang an und im gesamten Lebensverlauf sein und gesellschaftlich und politisch unterstützt werden. Die gemeinsame Verantwortung als Eltern besteht auch nach einer Trennung als Paar fort und die Herausforderungen einer Trennung, die Begleitung unserer Kinder, lassen sich gemeinsam als Eltern-Team besser bewältigen als allein.“


Sehr deutlich wurde auch darauf hingewiesen, dass getrennte Eltern auf dem Weg zu diesem Eltern-Team noch mehr und deutlich andere Unterstützung als bisher brauchen. Das bisherige System trägt eher zu Eskalationen bei, als das es befriedet, wie u.a. Richter a.D. Jürgen Rudolph in seinem Vortrag ausführte. So gab es auch einen breiten Konsens, dass Beratung und Unterstützung von Eltern und Kindern stärker in den Vordergrund gestellt werden sollten.


„Wir stehen an der Schwelle zu einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel - hin zu gemeinsamer Elternschaft auf Augenhöhe. Die Doppelresidenz ist dabei lediglich die logische Fortsetzung dieser Elternschaft auch nach einer Trennung und bietet dabei vor allem den Kindern deutlich bessere Entwicklungschancen als das bisher meist gelebte Residenzmodell“ ergänzt Markus Witt, Sprecher des Bündnisses doppelresidenz.org. Er bezieht sich dabei auf umfangreiche wissenschaftliche Studien, welche die Wirkungen der Doppelresidenz auf die Kinder untersucht haben. Das Residenzmodell, bei dem das Kind lediglich bei einem Elternteil lebt, konnte in keinem Punkt überzeugen.


Bisher nahm man an, dass die Doppelresidenz eher eine Randerscheinung bei 3-5% aller Familien sei. Aus den vorgestellten repräsentativen Zahlen der aktuellen Allensbach-Studie geht jedoch hervor: 15% der getrennten Eltern in Deutschland leben bereits heute die Doppelresidenz, weitere 17% könnten sich dies vorstellen. Zukünftig werden wohl noch mehr Kinder getrennt lebender Eltern zwei Zuhause haben. Die ersten Grundlagen dazu wurden nun gelegt – und das ist auch gut so.

Link zur Pressemitteilung des BMFSFJ:https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/gemeinsam-getrennt-erziehen--wunsch-und-wirklichkeit-von-trennungsfamilien/117392


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doppelresidenz.orgist ein vereinsübergreifendes Portal und Aktionsbündnis, welches aus der 2012 gegründeten Projektgruppe Doppelresidenz hervorgegangen ist. Ziel der Projektgruppe ist es, die vereins- und länderübergreifende Zusammenarbeit zur Förderung der Doppelresidenz zu betreiben.


Nebendem Portal doppelresidenz.org, das umfangreiche Informationen zur gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, juristischen und politischen Entwicklung zur Doppelresidenz bereit stellt, ist das Bündnis auch auf Veranstaltungen aktiv, um Interessierte über Chancen und Grenzen der Doppelresidenz zu informieren. Eine Übersicht über die aktuellen Partner erhalten Sie auf www.doppelresidenz.org/Partner


Anstatt des Begriffes Wechselmodell verwenden wir den Begriff Doppelresidenz. Zum Einen drückt es besser aus, dass die Kinder bei beiden Eltern „Zuhause“ und keine Besucher sind. Zum Anderen finden in der Doppelresidenz zumeist weniger Wechsel zwischen den Elternhäusern statt als im häufig gelebten Residenzmodell. Der Begriff Wechselmodell ist daher aus unser Sicht missverständlich.


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MarkusWitt, Sprecher der Plattform doppelresidenz.org Tel. 0177 235 68 21
CorneliaSpachtholz, Sprecherin der Plattform doppelresidenz.org Tel. 0178 51416 38